Unternehmen zwischen Verrecken und Vertrauen

Jemand, den ich als Rechtanwalt früher wohl einmal getroffen hatte, meldete sich bei mir, weil es Streit mit einem Kompagnon gab. Sie führten ein Internet-Geschäft, mit dem sich eine Menge Geld verdienen ließ, aber das Vertrauen zwischen ihnen war fort. Würden die Einkaufssummen wohl stimmen? Es machte sich auch Misstrauen angesichts eingeschalteter Lieferanten breit. Alles Probleme, die zeigen, dass es nicht mehr funktionierte zwischen den beiden Männern, die zusammen etwa fünf Mitarbeiter beschäftigten.

Der eine Kompagnon ging daran zugrunde und wurde depressiv, der andere Kompagnon bewältigte seine Unsicherheit, indem er zur Attacke überging. Ich habe die Sache als Mittler übernommen, aber einer von ihnen wollte schon bald nicht mehr am Verhandlungstisch erscheinen. Was lässt sich dann machen? Der Vorteil einer Vermittlung statt Mediation besteht darin, dass einem mehr Freiheit angesichts der Art und Weise zusteht, wie man die Sache angeht. Weil ich sah, dass das Unternehmen vor die Hunde ging, und dass der finanzielle Schaden riesig war, wenn keine Regelung zustande kommen würde, habe ich letztendlich als Mittler abwechselnd mit beiden Parteien gesprochen und verhandelt.

Mit dem attackierenden Kompagnon habe ich sogar Verhandlungen geführt, wobei die Paragraphen eines Feststellungsvertragsentwurfs Schritt für Schritt durchgegangen wurden. Der andere Kompagnon schaute mir in die Augen, als ich daraufhin mit einem seriösen Ergebnis aufwartete und erklärte sich nach einem kurzen Gespräch und einigen kleinen Anpassungen mit gesundem Widerwillen einverstanden. Ich hatte seine Ansichten in einigen emotionalen Gesprächen mitbekommen und davon fand sich noch ein ausreichender Teil im Vertrag. Es ergab sich ein langer, hässlicher Vergleichsvertrag, ein einziges Gestrüpp von Kompromissen, aber es klappte.

Damit war die Rettung des Unternehmens Realität und es blieb etwas zum Verteilen übrig. Ich machte zudem aus, dass wenn sich noch eine Streitigkeit ergeben würde, dass ein verbindlicher Schiedsgutachter eine deutliche Entscheidung treffen würde.

Etwa 95% der Probleme habe ich so vom Tisch bekommen, mit viel Geduld und Beharrlichkeit, in der Überzeugung, dass diese Kompagnons eine praktische Lösung brauchten. Sie haben sich daraufhin noch drei Mal an den Schiedsgutachter gewandt, danach waren sämtliche strittigen Punkte erledigt.

Ein schönes Beispiel dafür, wie ein scheinbar unlösbarer Konflikt mit viel Kreativität und Geduld doch noch zu einer Lösung findet, mit der es sich leben lässt.

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