Wem gehört das Königslied?

Komponist John Ewbank wurde zur Zielscheibe harscher Kritik. Anlass dafür waren die peinlich bis ins Mark treffenden Texte im offiziellen Königslied. Wegen der öffentlichen Verspottung meldete er, das Lied zurückzuziehen. Das Nationalkomitee Amtseinführung entschied sich jedoch anders: das Lied wurde beibehalten.

John Ewbank hat nicht als Einziger am Lied gearbeitet. Er komponierte nur die Melodie. Der massiv kritisierte Text wurde u.a. von Daphne Dekkers aus Einsendungen aus dem niederländischen Publikum zusammengestellt. Die mitwirkenden Künstler und Interpreten können ihre sogenannten verwandten Schutzrechte in Anspruch nehmen.

Juristisch gesehen haben der Komponist, die Textdichter und die mitwirkenden Künstler wahrscheinlich nichts mehr über das Königslied zu sagen. Das Nationalkomitee hat als Auftraggeber voraussichtlich vorher das urheberrechtliche Eigentum des Liedes ausbedungen und hat somit die alleinige Kontrolle. Die Ersteller des Liedes haben dann kaum noch ein Mitspracherecht zur Vervielfachung und dessen Veröffentlichung.

Da das volle Eigentum der Urheberrechte wahrscheinlich in der Hand des Nationalkomitees ist, ist dies allerdings kein Freibrief, alles mit dem Lied machen zu dürfen. Die Ersteller behalten wie auch immer ihre Persönlichkeitsrechte. Sie dürfen das Lied verbieten, wenn es zum Beispiel entstellt, geändert oder ohne Namen der Ersteller veröffentlicht wird. Liedparodien müssen sie sich aber gefallen lassen.

Es ist eine jämmerlich verpasste Chance, dass die Ersteller die ihnen eingeräumte Befugnis nicht genutzt haben:  “Hat der Ersteller des Werkes das Urheberrecht übertragen, so bleibt er nach wie vor dazu berechtigt, im Werk solche Änderungen vorzunehmen als ihm nach gesellschaftlichen Verkehrsregeln nach Treu und Glauben freistehen” (§ 25, 4. Absatz Urheberrechtsgesetz). Deren Recht, die vielen sprachlichen Fehler auszubessern, haben die Ersteller leider nicht in Anspruch genommen.